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Was "Andere" nicht verstehen: Eine kurze Erklärung zur Szene
Seit es die schwarze Szene gibt, hat sie gegen Klischees zu kämpfen. Das etwas andere Aussehen ihrer Anhänger führte zu Vorurteilen in der Bevölkerung. Die Gothics würden in Särgen schlafen, Blut trinken und sich nachts auf Friedhöfen rumtreiben. Wegen ihrer Kleidung komisch angeguckt, wegen ihrer Lebensweise missverstanden - Was wirklich dran ist an den Klischees, ergründen wir hier.
1. Was ist eigentlich ein Gothic?
Der Begriff ist einerseits Abgrenzung vom "Normalen / Trendigen" und andererseits vom verschrienen Satanismus, um sich damit eine eigene Identität zu geben. Neben dem auffälligen Styling mit schwarzen Klamotten, bleicher Schminke und toupierten Haaren ist die größte Gemeinsamkeit die Musik. Doch Styling und der Begriff Gothic sind nur die äußeren Zeichen einer besonderen Lebenseinstellung.
2. Seit wann gibt es Gothics? Wie und warum ist diese Szene entstanden?
Die Gothicbewegung entstand Ende der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts aus der damaligen Punkströmung. Mit zunehmend düsterer klingender Musik eroberten sich die schwarzen Gestalten einen Platz in der Gesellschaft und rebellierten in ihrer introvertierten Art gegen Establishment und Revolution gleichermaßen.
3. Welche Musik bevorzugen die Gothics? Und warum?
Die Musikrichtungen sind innerhalb der Szene sehr verschieden: Von Neofolk über Gothic Rock bis zu EBM / Industrial werden die Klänge zusehends härter. Es ähneln sich die jeweiligen Themen. Gesellschaftliche und emotionale Abgründe des Lebens werden musikalisch verarbeitet, das ist es, was den Gothic an dieser Musik begeistert. Ein jeder wählt dann das ihm liebste Klangkostüm dazu.
4. Warum laufen die Leute nur in schwarzen Sachen rum?
Schwarz ist die Tradition, die sich über all die Jahre gehalten hat. Es ist die Farbe von Trauer, Resignation und stillem Protest gegen bunte, kurzlebige Modetrends. Außerdem ist es so ganz einfach möglich, sich im Alltag sichtlich von seiner Umgebung und allem, was man nicht ist bzw. sein will, abzugrenzen.
5. Woher kommt die Vorliebe für das Mittelalterliche?
Ideen, wie sie der Düsterszene eigen sind, entstanden erstmalig in der Romantikbewegung des 18. und 19. Jahrhunderts. Daher kommt auch eine Rückbesinnung auf mittelalterliche Werte. Diese Epoche wird als Goldenes Zeitalter idealisiert, in dem Mensch und Welt noch im Einklang waren. In der Gothicbewegung treten besonders die Schönheitsvorstellungen dieser Zeit in den Vordergrund.
6. Stimmt es, dass Gothics in Särgen schlafen, nachts auf Friedhöfe gehen und Blut trinken?
Gerüchte wie diese entstehen aus Angst und Unwissen. Richtig ist, dass die Szene eine Vorliebe für Dunkles, Geheimnisvolles, Okkultes hat; ein Umgang mit dem Tod ist für die meisten Gothics selbstverständlich. Die wenigsten Menschen können das verstehen und die Szene ist zu introvertiert für große Erklärungen, daher bildet sich die breite Masse ihre eigene Meinung.
7. Warum sind sie immer so bleich geschminkt?
Das ist eines der Schönheitsideale, die dem Mittelalter entliehen sind, wo Bräune dem einfachen Volk und edle Blässe den vornehmen Herrschaften zugeschrieben wurde. Wenn man sich also in mittelalterliche oder elegante schwarze Gewänder hüllt, ist die weiße Schminke ein Accessoires zur Komplettierung, denn Detailtreue ist eine hervorstechende Eigenart der Gothics.
8. Warum mögen die Gothics Schmuck mit Kreuzen, Spinnen oder Fledermäusen?
Im Schmuck spiegelt sich die Vorliebe für Düsteres wieder. Da sich viele Schwarz-Romantiker mit den verschiedenen Religionen beschäftigen, tragen sie auch deren Symbole. Meist bunt durcheinander, da ihre eigene Weltanschauung aus diversen Details mehrerer Religionen zusammengesetzt ist. Fledermäuse und Spinnen machen die Erscheinung noch finsterer und setzten sich auch beim Schmuck vom Massentrend ab.
9. Ist jeder, der schwarze Sachen trägt, ein Gothic?
Mit Sicherheit nicht. Man kann nicht bestreiten, daß es Satanisten tatsächlich gibt, sowie auch "normale" Leute jederzeit ein gänzlich schwarzes Outfit anlegen können. Zum Gothicsein gehört mehr als nur eine schwarze Garderobe. Mit einem geschulten Auge kann man aber den Unterschied auch schon an der Ausstrahlung des Trägers erkennen. Außerdem "black is beautiful" - das kann man wohl niemanden verbieten.